Der Clown

Der Clown

Es war ein anstrengender Tag, gleich musste er auf die große Bühne gehen und wie fast jeden Abend, das kleine Vorabendprogramm vor der großen Show gestalten, um das Publikum aufzumuntern und in Stimmung zu bringen.

Er setzt die rote Nase auf und schaut in den Spiegel und hört auf einmal das Spiegelbild fragen: „ Sag mir, wer du bist.“

Prompt gibt er zur Antwort: „Ich bin Angestellter in einer großen Zeitungsfirma und trage jeden Tag die Zeitungen aus.“

„Wollt ich wissen in welcher Firma du arbeitest? Ich habe dich nicht gefragt was du tust, sondern wer du bist!“

Er schaute nachdenklich in den Spiegel: „Ich versuche meine Familie zu ernähren und ein guter Mann und Vater zu sein.“

„Wollt ich wissen, dass du ein guter Mann und Vater sein möchtest, sag mir wer bist du?“, fragte wieder das Spiegelbild

Er setzt sich zurück zum Spiegelbild und schaut tief hinein….

Er sieht einen kleinen Jungen rechst an der Hand einer schmalen Frau, die links von sich ein Kinderwagen schiebt und nicht weiß wohin. Er sieht seine ältere Schwester durchbrennen, mit einem Unbekannten und kann nichts tun. Er sieht das gebrochene Herz seiner Mutter und will für sie da sein, sie zum lachen bringen, denn seinen Vater sieht und kennt er nicht.

„Ich war heute bei meiner Mutter im Heim und habe ihr vorgelesen und ihr geholfen in der Erinnerung, sie hat Alzheimer.“, sagt er nachdenklich in den Spiegel.

„Das ist führsorglich und lieb von dir.“, sagt das Spiegelbild. „doch wollt ich hören, dass du dich um deine kranke Mutter kümmerst? Ich fragte dich wer du bist?“

Langsam wird der Mann zynisch „Ich bin immer für alle da und möchte ihnen helfen und für sie da sein.“ knurrt er in den Spiegel, der wiederum nur antwortet:

„Wollt ich wissen, für wen du da sein wolltest und wem du hilfst, zum letzten Mal: Wer bist du?“

Er überlegt kurz, denn es ist schwer zu wissen wer man ist, wenn man immer nur für alle anderen da ist und für sich selbst keine Zeit findet, seinen Wünschen nur hinter her träumt, weil man immer nur gibt und niemals nimmt.

Doch genau das war er nun mal, es durch fuhr in wie ein Blitz und kurz entschlossen sagt er: „Ich bin der CLOWN.“ Und leise fügte er hinzu „In dieser Person kann ich lachen und Spaß haben, kann ich Freude und strahlende Gesichter erleben, was ich sonst kaum kenne im Leben. Für einen kleinen Moment kann ich der Junge sein, der ich immer sein wollte aber der ich nie war.“

Beim raus gehen dreht er sich noch einmal um, schaut in den Spiegel, sieht einen kleinen Jungen winken und zwinkert ihm aufmunternd zu.

 

Denise Steinberg